Während einer vom Rentenversicherungsträger durchgeführten Rehabilitation besteht grundsätzlich Versicherungsschutz in der gesetzlichen Unfallversicherung. Ein bewusstes seitliches Ausweichmanöver beim Völkerball im Rahmen der Bewegungstherapie ist allerdings nicht dazu geeignet, einen Riss der Achillessehne zu bewirken. Ein Arbeitsunfall ist daher in einem solchen Fall nicht anzuerkennen. Dies entschied das Hessischen Landessozialgericht.
Im hier vorliegenden Fall befand sich ein Versicherter in einer Reha-Klinik auf Kosten der Deutschen Rentenversicherung. Im Rahmen eines Völkerballspiels während einer Bewegungstherapiestunde erlitt er beim Ausweichen vor dem Ball einen Riss der Achillessehne.
Berufsgenossenschaft lehnte Entschädigungsleistungen ab
Die Berufsgenossenschaft lehnte Entschädigungsleistungen ab. Das Ereignis habe den Gesundheitsschaden nicht rechtlich wesentlich verursacht. An der Achillessehne des Versicherten hätten bereits zuvor ausgeprägte verschleißbedingte Veränderungen bestanden, so dass der Sehnenriss in absehbarer Zeit bei jeder normalen Verrichtung des täglichen Lebens eingetreten wäre.
Ausweichmanöver beim Völkerballspeil nicht Ursache nicht Achillessehnenruptur
Die Richter*innen beider Instanzen gaben der Berufsgenossenschaft Recht. Während
der vom Rentenversicherungsträger durchgeführten Rehabilitation habe zwar gesetzlicher
Unfallversicherungsschutz bestanden. Die Achillessehnenruptur sei jedoch nicht
auf das Ausweichmanöver beim Völkerballspiel zurückzuführen. Nach dem aktuellen
wissenschaftlichen Erkenntnisstand sei die bewusste seitliche Ausweichbewegung vor
einem Ball generell nicht geeignet, die traumatische Ruptur einer (gesunden) Achillessehne
zu bewirken. Die Achillessehne als stärkste Sehne des menschlichen Körpers sei vielmehr nur bei einer Belastung gefährdet, die nicht ihrer anatomisch-biomechanischen Bestimmung
entspreche. Dies sei beispielsweise der Fall, wenn der Vorfuß beim Hochgehen einer
Treppe die Stufe verfehle und deshalb das gesamte Körpergewicht auf dem Vorfuß und
damit auf der angespannten Sehne laste.
Degenerative Veränderungen der Sehne von überragender Bedeutung
Ein seitliches Ausweichmanöver wie beim Ballspiel - für welches die Achillessehne gebaut
und funktionell vorgesehen sei - sei nur zusammen mit den zum Unfallzeitpunkt
vorhandenen (unversicherten) degenerativen Veränderungen für den Riss der Sehne
verantwortlich. Bei dem geschädigten Versicherten habe die sehr ausgeprägte und
leicht ansprechbare Schadensanlage insoweit eine überragende Bedeutung gehabt,
während das Ausweichmanöver lediglich Auslöser und daher nicht wesentlich für die
Ruptur gewesen sei. Ein Arbeitsunfall sei daher nicht anzuerkennen.
Angaben zum Gericht:
- Gericht:Landessozialgericht Hessen
- Entscheidungsart:Urteil
- Datum:05.02.2021
- Aktenzeichen:L 3 U 205/17